Titelthema
Mehr Strom von lippischen Dächern
In Sachen Klimaschutz und Energiewende wird das Wort „sparen“ großgeschrieben: Trotzdem wird immer mehr Strom verbraucht. Denn alles hängt am Strom. Ob Handy, Laptop, Pedelec, Elektro-Auto oder Wärmepumpe. Umso wichtiger wird eine sichere, bezahlbare und nachhaltige Stromerzeugung, zum Beispiel mittels Photovoltaik (PV).
Statistisch können schon heute mit den bestehenden PV-Anlagen an sonnigen Wochentagen bis zu 45 Prozent des bundesweiten Stromverbrauchs gedeckt werden. Und auf den Dächern schlummere noch viel ungenutztes Potenzial, weiß Dag Wöhrmann, Geschäftsführer der Firmen „Wewers“ und „Schemmer und Frank PV“. Er wirbt dafür, den Großteil der Dachflächen mit PV-Modulen zu belegen, um in Zukunft bei der Stromversorgung autarker zu sein. Ging es früher darum, für den eingespeisten Strom eine hohe Vergütung zu erhalten, lohne sich dank technischer Weiterentwicklungen heute ein möglichst hoher Eigenverbrauch. Denn Strom aus der eigenen PV-Anlage ist „derzeit wesentlich günstiger als beim Versorger.“ Aktuell sehr gefragt sei auch die Kombination mit einer Wärmepumpe.
„Die Branche erlebt aktuell einen Boom“, berichtet Dag Wöhrmann, der durch hohe Energiepreise und neue Förderprogramme noch verstärkt werde. Hinzu kommen neue Gesetze. So habe Nordrhein-Westfalen im Januar die Solarpflicht für neue, offene Parkplätze ab 35 Stellplätzen eingeführt. „Möglichst viele versiegelte Flächen sollen zur Stromerzeugung genutzt werden. Vorzugsweise für das Laden von Elektro-Fahrzeugen“, konkretisiert Dag Wöhrmann. Die Folge: Die Nachfrage nach Solarmodulen übersteige bereits jetzt das Angebot, zudem fehlten Installations-Kapazitäten. Materialengpässe verschärften das Problem. Mindestens neun Monate Vorlaufzeit seien deshalb in der Branche derzeit normal.
Der Lagenser Unternehmer hält eine wohldosierte und stetig angepasste Förderpolitik für dringend geboten. „Bei konstanten Marktpreisen und hohem Installationsvolumen müssen PV-Anlagen nicht gefördert werden. Die aktuell stark steigenden Preise jedoch durch Fördermittel abzufedern, um den Ausbau der Photovoltaik weiter voranzutreiben, ist hingegen sinnvoll.“
Dag Wöhrmann bedauert, dass alle großen Hersteller von PVKomponenten in Asien sitzen. „Nachhaltigkeit sieht anders aus. Und die wenigen deutschen Hersteller kaufen einen Großteil der Bauteile auf dem Weltmarkt zu.“ Deutschland sei die verlängerte Werkbank für Asien. Ein Pluspunkt in Sachen Nachhaltigkeit sei die lange Lebensdauer von PV-Anlagen. „25 Jahre Garantie geben die Hersteller auf 80 Prozent der Leistung.“ Dag Wöhrmann selbst schätzt die Haltbarkeit noch deutlich länger ein. „Wir haben Anfang der 1990er Jahre die ersten PV-Anlagen installiert und die produzieren nach wie vor zuverlässig Strom.“ Es entstehe derzeit sogar ein Markt für wiederaufgearbeitete Alt-Module.



