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Wegbereiter für den digitalen Produktpass

Der „Digitale Produktpass“ ist ein zentrales Element des „Grünen Deals“ auf dem Weg zur echten Kreislaufwirtschaft. An der praktischen Umsetzung, wie dem digitalen Typenschild, arbeiten Unternehmen und Forschende im Centrum Industrial IT (CIIT) e.V. Anja Moldehn, Geschäftsleiterin und Technologiemanagerin des CIIT, berichtet, was heute schon geht und wo die Reise hingeht.

Frau Moldehn, inwieweit ist der „Digitale Produktpass“ noch Zukunftsmusik?

Moldehn: Die Politik baut gerade am rechtlichen Rahmen. Wie er aber ganz praktisch für so unterschiedliche Produkte wie Fleisch, Häuser oder Maschinen aussehen wird, ist noch nicht klar. In jedem Fall werden alle Beteiligten einer Wertschöpfungskette betroffen sein, Deshalb haben wir unseren Fokus auf den digitalen Zwilling gelegt.

Was genau ist ein digitaler Zwilling?

Moldehn: Eine virtuelle Repräsentanz. Der digitale Zwilling „begleitet“ einen physischen Gegenstand in seinem kompletten Lebenszyklus. Identifiziert wird er beispielsweise über einen QR-Code.

Wie eine Art Tagebuch, das Informationen von der Entstehung bis zur Entsorgung eines Produktes sammelt?

Moldehn: Genau. Man kann sämtliche Daten abrufen. Wer hat das Teil wann gebaut? Welche Materialien stecken drin? Wie viel Energie wird verbraucht? Wann geht es kaputt? Die Informationen stecken in einer sogenannten Verwaltungsschale. Diese eignet sich zudem für selbststeuernde Prozesse. Bei Maschinen zum Beispiel.

Für Maschinen leuchtet das ein. Aber wie sieht es beim Stück Fleisch aus?

Moldehn: Wenn es eingepackt ist, ist der Code kein Problem. Es gibt aber inzwischen unzählige andere Verfahren. Wie den digitalen Fingerabdruck. Damit werden heute schon Gemälde identifiziert.

Warum ist Transparenz über jedes Produkt überhaupt wichtig?

Moldehn: Das Ziel ist, nur das zu produzieren, was auch gebraucht wird, Recyclingprodukte statt neue Rohstoffe zu verwenden und Energie zu sparen. Damit das funktioniert, braucht es Informationen, die stetig aktualisiert werden.

Das Tagebuch dient also der Wirtschaft dazu, Entscheidungen zu treffen.

Moldehn: Nicht nur der Wirtschaft. Auch die Verbraucher spielen eine große Rolle. Je mehr sie die Inhaltsstoffe, Produktionsbedingungen oder Nachhaltigkeit hinterfragen, desto eher müssen die Hersteller darauf eingehen. Wer die richtigen Antworten geben kann, verschafft sich einen Wettbewerbsvorteil und kann im besten Fall neue Märkte erschließen.

Und wie weit ist man konkret beim Digitalen Produktpass?

Moldehn: Die beschriebene Verwaltungsschale ist längst entwickelt. Das Teilmodell „Digitales Typenschild“ als produktbegleitende, papierlose Dokumentation ist ein erster Schritt. Man könnte es kontinuierlich um neue Teilmodelle ergänzen, um so den Digitalen Produktpass zu erzeugen. Dabei setzen wir auf offene und unternehmensübergreifende Standards. Die machen nur Sinn, wenn sie am Ende auch jeder nutzt. Und bis dahin ist es wohl noch ein weiter Weg.

   

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