IHK-Inside
Gezielte Unterstützung für IHK-Mitgliedsunternehmen
Sarina Scholz bringt Unternehmen und passende Ausbildungskandidat:innen zusammen und begleitet beide Seiten im Matching‑Prozess. Kathrin Fritzen unterstützt Betriebe als EAA bei Fragen zur Beschäftigung und Förderung von Menschen mit Behinderung und hilft bei entsprechenden Antrags- und Beratungswegen.
Was versteht man unter „passgenauer Besetzung“ von Ausbildungsplätzen?
Bei der Passgenauen Besetzung bringen wir kleine und mittlere Unternehmen (KMU) mit passenden Ausbildungskandidat/innen zusammen. Wir beraten beide Seiten individuell, gleichen Anforderungen und Interessen ab und unterstützen im gesamten Matching-Prozess. Am Ende soll es für beide Seiten wirklich passen – fachlich und menschlich.
Warum ist dieses Thema gerade heute so wichtig?
Der Fachkräftemangel ist in allen Branchen spürbar, und gleichzeitig gibt es viele junge Menschen, die Schwierigkeiten haben, einen passenden Ausbildungsplatz zu finden. Eine gezielte, passgenaue Auswahl stellt sicher, dass Ausbildungsplätze nachhaltig besetzt werden, die Auszubildenden motiviert starten und Unternehmen qualifizierten Nachwuchs gewinnen.
Wie gehen Sie bei der passgenauen Besetzung vor?
Ich starte mit einem persönlichen Gespräch – am liebsten vor Ort, geht aber auch per Telefon. Dabei lerne ich die Kandidat/innen besser kennen und einzuschätzen. Gleichzeitig spreche ich mit Betrieben über offene Stellen. Ich erstelle mir ein Anforderungsprofil und dann suche ich gezielt nach einem guten Match und stelle den Kontakt her.
Welche Vorteile hat eine passgenaue Besetzung von Ausbildungsplätzen für Unternehmen?
Wenn Unternehmen Ausbildungsplätze passgenau besetzen, profitieren sie von mehreren Vorteilen: Der Großteil des Rekrutierungsaufwands entfällt, da die Bewerberinnen und Bewerber bereits im Vorfeld sorgfältig vorausgewählt wurden. Dadurch erhalten die Betriebe motivierte und geeignete Auszubildende, was Ausbildungsabbrüche reduziert und die Zufriedenheit im Team steigert.
Gibt es Herausforderungen bei diesem Ansatz?
Ja, es erfordert Zeit und intensive Beratung, sowohl auf Seiten der Betriebe als auch bei den Jugendlichen. Manchmal müssen Kompromisse gefunden werden, und nicht jeder Wunschplatz kann sofort besetzt werden. Dennoch lohnt sich der Aufwand, weil die langfristigen Erfolge deutlich sichtbar sind.
Welche weiteren Maßnahmen können Unternehmen ergreifen, um ihre Ausbildungsplätze optimal zu besetzen?
Frühzeitig vakante Ausbildungsplätze melden. Dazu klare Anforderungen und Erwartungen formulieren. Und offen sein für junge Talente, auch wenn der Lebenslauf nicht ganz perfekt ist.
Was gefällt Ihnen persönlich denn an Ihrer Aufgabe hier bei der IHK?
Die Vielseitigkeit meiner Aufgabe macht besonders viel Spaß. Wegen der individuellen Beratung gleicht kein Gespräch dem anderen. Und ich habe auch einen persönlichen Ansporn, gut zu beraten. Denn ich habe meine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement selbst durch die „Passgenaue Besetzung“ gefunden. Das will ich anderen auch ermöglichen.
Ansprechpartnerin:
Sarina Scholz
EAA - Fachkräfte sichern Potenziale erschließen!
Was versteht man unter EAA – Einheitliche Ansprechpartner für Arbeitnehmer?
Die EAAs lotsen Betriebe durch den bürokratische Hürden, um Förderungen für die Weiterbeschäftigung oder Einstellung von behinderten Menschen zu erhalten. Sie informieren trägerunabhängig zu finanziellen und personellen Unterstützungsmöglichkeiten in der Region. EAAs wurden 2022 gesetzlich verankert und sitzen in NRW flächendeckend in Kammern und im IFD – Integrationsfachdienst.
Warum ist dieses Thema gerade heute so wichtig?
Durch den demografischen Wandel wird es für Unternehmen immer wichtiger wertvolle Fachkräfte im Betrieb zu halten. Auch kann sich heute kein Unternehmen dem Gedanken der Inklusion verschließen.Durch die Einführung der Ausgleichabgabe bei Nichtbesetzung eines Stellenanteils mit behinderten Menschen, muss sich jedes Unternehmen damit auseinandersetzen.
Wie gehen Sie als einheitlicher Ansprechpartner für Betriebe vor?
Seit einigen Monaten nutze ich viele Gelegenheiten Betriebe auf das Angebot EAA aufmerksam zu machen. Interessierte Betriebe besuche ich vor Ort, um das Projekt vorzustellen und die Probleme im Betrieb zu erkennen. Gibt es schon ein konkretes Problem nach Unfall oder Krankheit verweise ich an die richtigen Anträge der entsprechenden Reha – Träger und versuche den Kontakt herzustellen.
Welche Vorteile hat das Projekt EAA für Unternehmen?
Da die meisten Behinderungen erst im Laufe des Lebens erworben werden, kann es jeden Betrieb treffen seine Fachkräfte nach Unfall oder Krankheit im Betrieb zu halten. Oder auch einen speziellen Arbeitsplatz für eine Neueinstellung einzurichten. Dann können EAAs angesprochen werden, um richtige Unterstützungsmöglichkeiten zu finden. Dies erspart dem Betrieb viel Zeit für Recherchen.
Gibt es Herausforderungen bei diesem Ansatz?
Ja, die gibt es. Die Fördermöglichkeiten sind immer an bestimmt Kriterien gebunden wie: Beschäftigungsdauer, Krankheit oder Unfall, Grad der Schwerbehinderung. EAAs fragen bestimmte Kriterien ab und verweisen später auch auf nachrangige Fördermöglichkeiten.
Welche weiteren Maßnahmen können Unternehmen ergreifen, um inklusiver zu werden?
Für Unternehmen ist auch eine Zusammenarbeit mit den WfbM (Werkstätten für behinderte Menschen) eine Option. Arbeiten können ausgelagert werden oder z.B. die Grünpflege von einer Werkstatt zu bestellen.
Was gefällt Ihnen persönlich denn an Ihrer Aufgabe hier bei der IHK?
Die EAAs beraten die Betriebe auch zu Themen wie Prävention, Unterstützung bei Unsicherheiten beim BEM, zeigen Coachingmöglichkeiten für Mitarbeiter, Abteilungen oder Führungskräfte auf, informieren Betriebe über die Ausbildung von Fachpraktikern bis zu den Regularien der Kündigung von behinderten Mitarbeitern. Das ist ein großer Bereich und bringt Mehrwert in jedes Unternehmen.
Ansprechpartnerin:
Kathrin Fritzen



