IHK-Zahlen & Börsen
Wirtschaft fordert strukturelle Generalüberholung
Die wirtschaftliche Lage in Lippe hat sich im Frühjahr eingetrübt. Und auch für die nächsten Monate erwarten kaum Unternehmen eine spürbare Besserung. Branchenübergreifend klagen sie über investitionshemmende Rahmenbedingungen und sprunghaft gestiegene Rohstoff- und Energiekosten. Auch die Arbeitskosten belasten die Unternehmen massiv. An der Umfrage in der Zeit vom 13. bis 26. April haben sich 167 Unternehmen beteiligt.
Volker Steinbach, Präsident der IHK Lippe, mahnt die Politik zu Zusammenhalt und fordert grundlegende Reformen: „Die Wirtschaft ist enttäuscht von der Zögerlich- und Mutlosigkeit der Regierung. Die Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit muss an erster Stelle stehen. Nach jahrelangem Stillstand und Fahren auf Verschleiß benötigen wir eine „Generalüberholung“ mit tiefgreifenden Strukturreformen und Geschwindigkeit in der Umsetzung.“
Um Deutschland wieder auf Spur zu bringen, sei vor allem konstruktive Zusammenarbeit über alle Parteigrenzen hinweg gefragt. „Es hilft der Regierung, Vertrauen zurückzugewinnen, indem sie endlich deutlich macht, am selben Strang zu ziehen und dieselben Ziele zu verfolgen. Polarisierung hilft keinem“, mahnt die Hauptgeschäftsführerin der IHK Lippe Svenja Jochens.
Grund für die harsche Kritik der IHK Lippe sind die düsteren Geschäftserwartungen: Branchenübergreifend erwarten nur 7 Prozent der Betriebe, dass sich das Geschäft innerhalb eines Jahres verbessern wird (-9 Prozent gegenüber Herbst 2025). Der Anteil der Pessimisten verdoppelt sich knapp auf 33 Prozent (+17 Prozent). Die Mehrheit der Unternehmen geht weder von einer positiven noch von einer negativen Veränderung aus (60 Prozent, -8 Prozent).
Die aktuelle Geschäftslage schätzen die Unternehmen hingegen besser ein. So berichten branchenübergreifend 46 Prozent der Unternehmen in Lippe derzeit von einer „befriedigenden“ Situation (-4 Prozent gegenüber dem Herbst 2025). Der Anteil der Unzufriedenen steigt jedoch auf 30 Prozent (+4 Prozent). Nur knapp ein Viertel der Unternehmen beurteilt die aktuelle Situation als „gut“ (unverändert). Mit dem Beginn des Iran-Krieges habe die Hoffnung vieler Betriebe auf einen Auschwung einen herben Dämpfer erlitten.
Entsprechend sinkt der Geschäftsklima-Index der IHK Lippe von 98 Punkten im Herbst auf 83 Punkte im Frühjahr 2026. Der Index visualisiert die Salden der Geschäftslage und -erwartungen der Unternehmen. Dabei signalisieren 100 Punkte aus technischer Sicht eine ausgeglichene Stimmung. Seit der ersten Erhebung der Daten in 1993 hat sich in Lippe ein langjähriger, positiver Durchschnitt von 108 Punkten etabliert, Tendenz sinkend.
Erfreulich ist, dass für 66 Prozent der Betriebe in Lippe die Finanzlage unproblematisch ist (-3 Prozent). Allerdings ist die Entwicklung besorgniserregend, denn vor zwei Jahren berichteten noch drei Viertel der Betriebe von gesunden Finanzen. Derzeit hat ein Drittel der Unternehmen finanzielle Probleme: 25 Prozent kämpfen mit einem Rückgang des Eigenkapitals (+2 Prozent) und knapp ein Fünftel leidet unter Forderungsausfällen (+7 Prozent).
Vor dem Hintergrund des in weiten Teilen der Wirtschaft fortbestehenden Fachkräftemangels, der demografischen Entwicklung und einer möglichen konjunkturellen Trendwende mit einem baldigen Ende des Iran- oder Ukraine-Krieges hält die Mehrheit der Unternehmen in Lippe an ihren Beschäftigten fest: So soll die Zahl der Mitarbeitenden bei sechs von zehn Betrieben gleichbleiben (+4 Prozent). Allerdings planen 30 Prozent, das Personal zu reduzieren (+6 Prozent). Nur knapp 10 Prozent der Unternehmen werden voraussichtlich neue Arbeitsplätze schaffen (-8 Prozent).



