Lippe Wissen und Wirtschaft
 

Lippe inside - Starke Typen

Roger Schneidewind, Eventwerkstatt Detmold

Roger Schneidewind ist ein starker Typ. Einer, der weiß, wo der Hammer hängt. Der hat nämlich seinen eigenen Platz an einem Haken in seiner Werkstatt in Detmold Heiden-oldendorf. Dort ist alles fein säuberlich aufgeräumt und die Wasserwaagen, Akkuschrauber und Sägen sind an ihrem angestammten Platz. In dem „Heimwerker-Loft“ hat sich der gelernte Holzmechaniker mit seinem Hobby selbständig gemacht. Er bietet Heimwerkerkurse an. „Bei mir dürfen sich die Teilnehmer ganz zwanglos an den vorgestellten Werkzeugen ausprobieren“, so der Firmengründer.

 

Geschützt vor den Blicken „vermeintlicher Profis“ können die überwiegend weiblichen Teilnehmer Erfahrungen mit aller Art von Werkzeug machen.

Und da setzt Schneidewind an: In seinen Kursen lernen die Probanden zunächst das Werkzeug kennen. Später im zweiten Kurs werden Löcher gebohrt, verstopfte Abflussrohre von Küchenspülen repariert und Regale an die Wand gedübelt. Da lernen die Teilnehmerinnen sogar, Scharniere von Küchenmöbeln einzustellen. Denn meist buchen Frauen diese Kurse. „Männer können schließlich schon alles“, verrät er mit einem Zwinkern die Zielgruppe. Erst ein Mann hat seinen Kurs besucht.

„Mittlerweile läuft alles gut und ich bin zufrieden. Wenn man bedenkt über welchen Umweg ich bis hierhin gegangen bin“, sagt er. Es ist 2017 und der damals 54 -jährige ist bei der Firma Wellmann Abteilungsleiter im Export mit 70 Mitarbeitenden. Er arbeitet jetzt nicht mehr mit den Händen, sondern ist ausschließlich mit administrativen Aufgaben beschäftigt und „verwaltet nur noch“. Er erleidet einen Burnout und wird ein Vierteljahr aus dem Verkehr gezogen. „Ich habe mich auf das besonnen, was mir Spaß macht. Daher habe ich mir eine Werkstatt gemietet.“ Hier hat auch seine Frau mittlerweile ein kleines Atelier. Seit ihrer Krebserkrankung bastelt sie hier mit ihrer Selbsthilfegruppe für ihren jährlichen Basar. Oft wird er gefragt, wie die Werkzeuge eingesetzt werden müssen „So bin ich auf die Idee gekommen, Menschen ‚Do it yourself‘ näher zu bringen.“ Als Schneidewind nach überstandener Krankheit wieder bei Wellmann arbeiten möchte, meldet die Firma zeitnah Konkurs an. „Im Nachhinein ist es für mich ein Segen gewesen. Dadurch habe ich den Anschub bekommen ohne den ich alleine nie gestartet wäre. Das brauchte ich“, fasst er die Zeit nach dem Burn-out zusammen.

Er stellt Business-Pläne auf, spricht mit der Agentur für Arbeit, baut seine Werkstatt um und macht Probe-Workshops. Sein Plan geht auf: gemeinsam mit der VHS bietet er Heimwerker-Kurse an. Diese werden sehr gut angenommen und aufgrund von Mund-zu-Mund-Propaganda laufen die Kurse „wie geschnitten Brot“ und sind immer ausgebucht. „Alle haben sehr viel Spaß, denn wir lachen mit- und nicht übereinander. Anfangs konnte ich es kaum glauben, aber immer, wenn sich eine Tür schliesst, öffnet sich irgendwo eine neue und es geht weiter.“

Bis zum 23.03.2020. Dann ist von heute auf morgen Schluss. Durch verschiedene Lockdowns schließt die Werkstatt die Türen und bleibt bis heute geschlossen. Mit diversen Corona-Hilfen hält er sich und seine Familie über Wasser und verbraucht sein Erspartes. An eigene Kurse ist nicht zu denken. „Ich habe das Wort „Event“ im Firmennamen - damit bin ich raus.“ Für ihn ist die Corona Politik eine Katastrophe. Und wieder besinnt er sich darauf, was er gut kann: Er kauft sich neues Werkzeug und nutzt Verbindungen zu Kollegen aus seiner Zeit bei Wellmann. Die sind mittlerweile in großen Küchenunternehmen in OWL tätig und suchen händeringend Monteure. So kann er Geld verdienen. Sein Plan ist, bis zum Herbst in diesem Bereich zu arbeiten. Dann möchte er wieder Workshops geben. „Noch einen Lockdown wird es hoffentlich nicht geben“, blickt er optimistisch in die Zukunft.

Apropos Zukunft: Hier plant er auch „mehr mit den sozialen Medien zu machen“. Gerade ist er dabei, ein altes Klavier von 1905 in eine Hausbar mit Kühlschrank und Eiswürfelbereiter „upzucyceln“. Natürlich mit Licht. Und das sieht er auch am Ende des Tunnels.

   

Die aktuelle Ausgabe zum Durchblättern