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Mit Strom auf Tour - wie BOBE den Umstieg auf E-LKW gestaltet

Die enzianblauen Container-LKW mit rot-weißem Schriftzug der Bobe Speditions GmbH prägen seit vielen Jahren das Straßenbild in Lippe und darüber hinaus. Seit 2024 ergänzen auch vollelektrische Fahrzeuge den Fuhrpark. Mittlerweile sind zehn E-LKW für das Bad Salzufler Unternehmen im Einsatz. Wie sind die Erfahrungen? Welche Chancen und Herausforderungen bringt die Technologie mit sich? Und welche Rahmenbedingungen braucht es für einen stärkeren Einsatz im Güterkraftverkehr? Darüber sprachen Christine Mölling und Sandy Quiring von der IHK mit Dennis Wind und Mirco Fink von der Bobe Spedition.

Warum haben Sie sich vor zwei Jahren entschieden, zusätzlich zu den Verbrennern auch Elektro-LKW anzuschaffen?

Als Spedition sehen wir uns in der Verantwortung, Emissionen zu reduzieren. Deshalb wollten wir Elektromobilität aktiv erproben und Erfahrungen sammeln. An unserem Standort in Minden wechseln wir auf Schiene und Wasserstraße. Der E-Antrieb ergänzt unseren nachhaltigen Logistikverbund im Shuttleverkehr sehr gut. Zudem fragen insbesondere große Kunden zunehmend emissionsarme Lieferketten nach. Mit unseren E-LKW können wir diesen Wunsch erfüllen und langfristige Kundenbeziehungen stärken. Aktuell verschafft uns das ein Alleinstellungsmerkmal. Die positive Resonanz zeigt sich auch darin, dass Kunden ihre Nachhaltigkeitsziele gemeinsam mit uns kommunizieren und ihre Logos auf den Fahrzeugen platzieren.

Aber letztlich kommt es für den Kunden auf den Preis an. Können E-LKW da mithalten?

Ohne Mautbefreiung und Förderung aktuell noch nicht. Der Preisunterschied zwischen Diesel und Elektro liegt bei rund 140.000 Euro pro Fahrzeug. Wir konnten sowohl für die Ladeinfrastruktur als auch für die Fahrzeuge Fördermittel nutzen. Gleichzeitig sind die Kraftstoffpreise gestiegen, wodurch E-LKW beim sogenannten Depotladen auf unserem Betriebshof Vorteile haben. Wirtschaftlich wird die Investition dennoch erst ab etwa 65.000 bis 70.000 Kilometern. Was man auch beachten muss: Durch E-Zuschläge für Fahrer, längere Standzeiten und höheren Reifenverschleiß entstehen zusätzliche Kosten. Die Mautbefreiung ist deshalb ein zentraler Faktor. Sie sollte über 2031 hinaus bestehen bleiben, damit Unternehmen Planungssicherheit haben. Fiele sie weg, müssten wir neu kalkulieren.

Sie haben also durchaus organisatorische Herausforderungen?

Ja. Eine der größten ist die Personalsituation. Fahrer sind generell schwer zu finden, und nicht jeder möchte einen E-LKW fahren. Zudem ist die Tourenplanung aufwendiger. Fahrer müssen im Voraus prüfen, wo Lademöglichkeiten vorhanden sind und ob sich dort gesetzliche Pausen einhalten lassen. Im Containerverkehr kommt hinzu, dass an vielen Ladestationen vor dem Laden abgesattelt und anschließend wieder aufgesattelt werden muss. Das kostet Zeit, erfordert geeignete Abstellflächen und wirft versicherungstechnische Fragen auf. Wir würden uns deutschlandweit mehr Nachtladestationen wünschen. Dann könnten Akkus während der Nachtruhe geladen werden und die Tourenplanung erleichtern.

Lässt sich denn mit der bestehenden Infrastruktur die Tourenplanung sinnvoll gestalten?

Nicht jede Tour ist heute mit E-LKW möglich. Dennoch sehen wir Fortschritte beim Ausbau der Ladeinfrastruktur insbesondere entlang der Autobahnen. Anbieter bauen aus und passen ihre Ladesäulen an die Anforderungen der Fahrzeuge an. Auch die Reichweiten der nächsten Fahrzeuggenerationen werden steigen. Dadurch werden längere Einsätze künftig einfacher möglich.

Wie läuft das externe Laden und die Zusammenarbeit mit den Stromanbietern?

Auch das ist noch recht kompliziert. Wir haben Verträge mit verschiedenen Anbietern. Fahrer müssen oft mit mehreren Ladekarten arbeiten und jeweils die günstigste Option finden. Zudem kommt es immer wieder zu Problemen bei der Kompatibilität von Ladesäulen und Fahrzeugen. Hier wünschen wir uns mehr Softwarestabilität. Für uns ist deshalb das Depotladen unverzichtbar. Diesen Bereich wollen wir weiter ausbauen, bevor zusätzliche E-Fahrzeuge angeschafft werden.

Was hätten Sie gerne gewusst, bevor Sie E-LKW angeschafft haben?

Wir hätten gerne mehr über die Situation in den Werkstätten gewusst. Viele verfügen noch nicht über ausreichend qualifiziertes Personal für Wartung und Reparatur von E-LKW. Dadurch können Ausfälle deutlich länger dauern. Wir hatten beispielsweise einen Fall, bei dem ein E-LKW nahe Bremerhaven liegen blieb. Fahrzeug und Fahrer mussten 24 Stunden auf Hilfe warten. Das findet man in keiner Kalkulation. Überraschend war auch der Reifenverschleiß. Durch das hohe Drehmoment werden Reifen stärker beansprucht als bei vergleichbaren Dieselfahrzeugen.

   

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