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MONOCAB OWL – Innovation made in Lippe

Bringt autonomes Fahrvergnügen auf die Schiene.

„Straßen? Wo wir hingehen, brauchen wir keine Straßen!“ Ein Zitat aus dem Kultfilm „Zurück in die Zukunft“. Als vor vier Jahren erste Informationen über das „MONOCAB“ an die Öffentlichkeit gelangten, dürften das die meisten ebenfalls mit „Science Fiction“ in Verbindung gebracht haben. Doch die Vision von einer selbstfahrenden Kabine auf Schienen wird Wirklichkeit.

„Wir werden beobachtet“, weiß Thorsten Försterling. Der Ideengeber des neuartigen, elektrisch betriebenen Einschienen-Fahrzeugs, welches den Personennahverkehr auf dem Land revolutionieren soll, berichtet von der Sorge im Kreis Lippe, dass diese potenzielle Innovation „exportiert“ hätte werden können. Deshalb ist dem Diplom-Ingenieur ein Stein vom Herzen gefallen, als im Juni dieses Jahres der Kreistag mit einer einstimmigen Resolution deutlich gemacht hat: „Dat is Lippsk! Un dat blüiwt Lippsk!“

Geschwindigkeit sei gefragt. Erste Patente, um das Projekt MONOCAB OWL international zu schützen, gibt es bereits. Und zahlreiche Unterstützer. Die TH Ostwestfalen-Lippe, die FH Bielefeld, das Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung in Lemgo und die Landeseisenbahn Lippe e.V. haben gemeinsamen zum Ziel, die Machbarkeit des MONOCAB-Fahrzeugkonzepts darzustellen und am 3. Oktober 2022 die ersten Demonstratoren auf den stillgelegten Streckenabschnitt der Extertalbahn zu bringen. Als Projekt der REGIONALE 2022 gehen 3,6 Millionen Euro Fördergelder aus EFRE- und Landesmitteln in die Entwicklung. „Wir müssen ein Kompetenzzentrum schaffen, um Wissen zu bündeln. Wir brauchen ein Start-up, das die Fahrzeuge in Kleinserie bauen kann. Wir benötigen bei der Umsetzung das vorhandene Know-how der Firmen vor Ort“, setzt der 56-jährige Gewinner des deutschen Mobilitätspreises 2018 auf Synergien. Mit dem RailCampus OWL sei man genauso im Gespräch wie mit der KVG Lippe. Es gehe schließlich um das große Leben auf dem Land. Ohne „Aber“.

„Wie cool ist das denn, wenn man künftig ohne Auto zur Arbeit oder zur Hochschule fahren kann. Wenn man in dieser Zeit ungestört telefonieren, arbeiten, lesen, schlafen oder laut Musik hören kann“, begeistert sich Thorsten Försterling von den selbstfahrenden Kabinen, die per App bestellt werden und wie ein Paternoster ständig im Umlauf sein können. 365 Tage im Jahr. Für den Eisenbahn-Fan ist es die perfekte Lösung zur Verkehrswende. „Dem öffentlichen Nahverkehr mangelt es leider nach wie vor an Akzeptanz. Vielen Leuten ist es in Bussen und Bahnen zu voll oder zu unsicher.“ Umso stolzer ist Thorsten Försterling auf die Akzeptanz der MONOCAB: „Jeder glaubt daran und jeder will damit fahren.“ Die Zukunft kann kommen.

   

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