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Lippe inside - Neues aus der Technischen Hochschule OWL

Kompetenzzentrum für digitales Bauen

Am Kreativ Campus der TH OWL in Detmold läuft derzeit eine Potenzialanalyse zur Errichtung eines Zentrums für nachhaltiges digitales Bauen. „Digitalisierung im Bauwesen ist heute sehr unterschiedlich entwickelt“, sagt die Vizepräsidentin für Bildung und Internationalisierung Professorin Dr. Yvonne-Christin Knepper-Bartel. Während die Erstellung von Vergabeunterlagen und die Planung insgesamt bereits sehr weit in Bezug auf die Digitalisierung sei, habe die Bauausführung noch deutlichen Nachholbedarf. Oder wie es Professor Dr. Nikolai Gerzen vom Fachbereich Bauingenieurwesen formuliert: „Auf den Baustellen wird noch wie vor hundert Jahren gehämmert, gebohrt und gemauert.“

Das soll sich nach seinen Vorstellungen ändern. „2050 werden geschätzte zwei Milliarden mehr Menschen auf der Welt sein. Davon wollen die meisten in Städten wohnen. Wir müssen also weltweit den benötigten Wohnraum sowie die entsprechende Infrastruktur bauen. Aber dafür haben wir weder die menschlichen noch die technischen und materiellen Ressourcen“, konstatiert Gerzen. „Es wird mit Hochdruck gebaut, Fachkräfte sind immer schwieriger zu finden, und mit konventionellen Methoden wird es schlicht nicht zu schaffen sein, solche Volumina zu verbauen“, so Gerzen. Die Lieferengpässe bei Baumaterialien würden die Situation noch verschärfen.

Derzeit sei es so, dass die Großen der Baubranche bereits sehr weit seien bei der Integration digitaler Prozesse. Im Baumittelstand fehlten hierzu die personellen und finanziellen Mittel. „Hier kommen wir dann als Hochschule ins Spiel“, so Gerzen. So könnten neuartige, durch Algorithmen gesteuerte Systeme im Zentrum für nachhaltiges digitales Bauen von interessierten Unternehmen erprobt werden und gleichzeitig in Seminaren vermittelt werden, wie diese Systeme eingesetzt werden können.

Um künftig Kooperationen im Sinne effektiveren Arbeitens am Bau realisieren zu können, bedürfe es auch standardisierter Prozesse. Auch hier soll das Zentrum für nachhaltiges digitales Bauen künftig der Vermittler derartiger Standards sein. Kern des geplanten Zentrums sei aber das (Weiter-) Entwickeln, Erproben und Einführen neuer digitaler Verfahren wie zum Beispiel der 3D-Druck oder das robotergestützte Bauen. „Hier lassen sich allein durch den 3D-Betondruck große Mengen an Beton einsparen“, ist sich Gerzen sicher.Allerdings wird es am Ende nicht den vollautomatisierten Bau geben können. „Das Bauen bleibt ein Kompromiss aus System, Fertigung und Bauherrenwunsch. Wir werden zahlreiche Mischsysteme aber auch neue Baustoff-Mischformen erleben“, so Gerzen. Bauwerkselemente könnten etwa zum Teil aus Holz und zum Teil aus Beton bestehen, wie das bei einer Holz-Beton-Verbunddecke der Fall ist, oder Holzspäne dem Beton beigemischt werden etc., um Ressourcen zu sparen.

   

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