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Reden ist Silber, Kommunikation ist Gold

Die Lebenszeit eines erfolgreichen Unternehmens ist praktisch unbegrenzt. Die Unternehmer:in sollte sich dagegen rechtzeitig aus dem Unternehmen herauslösen, um den erfolgreichen Weiterbestand zu gewährleisten. Sie oder er geht in der Regel nur einmal im Leben diese Herausforderung an. Gerade die Übergabe eines Familienunternehmens ist vielfach mit starken Emotionen verbunden ist. Der Prozess erfordert daher oft nicht allein betriebswirtschaftlichen und rechtlichen Beistand. Eine beratende Moderator:in kann Strukturen schaffen, die Abgebenden und Übernehmenden den Übergang erleichtern.

Bei der „pro office Büro- und Objekteinrichtungen Vertriebsgesellschaft mbH“ mit Hauptsitz in Lemgo ist der Bielefelder Moderator Jörg Rosenberger jüngst auf offene Ohren gestoßen. Die drei Firmengründer wollen sich zu unterschiedlichen Zeitpunkten zurückziehen, zwei Söhne sowie ein Schwiegersohn werden künftig das Ruder übernehmen. „Wir haben schnell auf die Fachexpertise von Jörg vertraut“, bestätigt Luca Stracke, einer der Unternehmensnachfolger. „Er versteht es, Generationen zusammenzubringen, Denkanstöße zu geben und Lösungen zu entwickeln“, macht der 28-Jährige deutlich. „Wir haben schon früh Verantwortung in verschiedenen Aufgabenbereichen übernehmen dürfen und sind bei Personalentscheidungen mit einbezogen worden, damit auch für die Zukunft harmonische Teams gebildet werden“, berichtet Luca Stracke von gut vorbereiteten Prozessen. „Im Prinzip geht es immer um einen massiven Transformationsprozess. Die nachfolgende Generation will Veränderung“, plädiert Rosenberger genau für diese frühzeitige Einbindung. „Reden ist Silber“ heißt sein Unternehmen.

„Kommunikation ist Gold“, ergänzt Jörg Rosenberger seine eigene Variante des Sprichworts. „Reden ist eindimensional, Kommunikation dagegen ein bewusster und wertschätzender Austausch untereinander“

Und genau darum geht es bei den Aufträgen an eine moderierende Berater:in. Als erstes müssen klare Ziele formuliert werden: was will die Person, die geht und was will die Person, die kommt. Die Aufgabe einer Moderator:in sei es, Strukturen zu schaffen, die es beiden Seiten leichter machen. Dazu gehöre es, die Dinge auf den Punkt zu bringen und harte Wahrheiten auszusprechen. Jörg Rosenberger denkt dabei besonders an Empfindlichkeiten bei einem familieninternen Wechsel. „Die menschliche Kommunikation ist nicht berechenbar und nicht logisch“, spielt er auf gekränkte Eitelkeiten an, die nicht gerne genannt, sondern lieber an Geld oder Macht festgemacht werden. Wenn es um den Zeitstrahl geht, rät Rosenberger, zwei bis drei Jahre einzuplanen, wobei ein Stabwechsel durchaus auch nach einem Jahr möglich sei. „Dann darf aber nicht getrödelt werden.“ Die Abschiedsdynamik sei längst nicht mehr so hoch wie die Einstiegsdynamik, hat der Coach beobachtet.

   

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