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Laborkittel gegen Business-Anzug getauscht

Maximilian Wiens hat früh seinen Unternehmergeist entwickelt: In der siebten Klasse begann die Leidenschaft, zu programmieren. Nach dem Abitur erstellte der gebürtige Lagenser eigenständig Internetseiten. Vor rund 10 Jahren gründete der 30-Jährige nach einem Ausflug in die Wirtschaft sein eigenes Unternehmen in Leopoldshöhe.

„Als Erstes musste ein Firmen-Name her, bevor es überhaupt losgehen konnte“, erzählt Maximilian Wiens schmunzelnd von seiner Prioritätenliste bei der Entstehung von „Synefex“, was mit „Synergieeffekten“ assoziiert werden darf und soll. „Ich wollte individualisierte, hochflexible und sich selbst steuernde Systeme zur Integration und zur Verarbeitung von Labordaten anbieten“, hat der Wahl-Oerlinghausener eine echte Marktlücke gesehen und inzwischen gefüllt. Aus dem elterlichen Wohnzimmer heraus ist ein Start-up-Unternehmen mit Sitz in Leopoldshöhe entstanden, das Lösungen für Pharma- und Chemieunternehmen anbietet, die sich auf das digitale Labor und die sichere Datenverarbeitung in der Cloud vorbereiten. „Wir stellen einheitliche Schnittstellen zur Verfügung, damit sich Forschende in der pharmazeutischen, gesundheitspflegenden und biochemischen Industrie um Software und Hardware keinen Kopf machen müssen“, erklärt Wiens die komplexe Datenintegration mit einfachen Worten.

«Bioinformatiker zu werden, stand am Anfang des Studiums an der Universität in Bielefeld noch gar nicht auf seinem Zettel.

„Ein Kommilitone sagte irgendwann zu mir: Komm doch zur Bioinformatik. Da bekommst du einen echten Laborkittel, mit deinem Namen drauf.“ Maximilian Wiens muss rückblickend lachen und gibt offen zu: „Ich wollte unbedingt so einen personalisierten Laborkittel haben.“ Bei Bertelsmann stieg er anschließend als Projektleiter ins Berufsleben ein. „Das war klassische Informatik und ich merkte schnell, dass mir das Biologische fehlt, was die Hälfte meines Studiums ausgemacht hat. Ich wollte in beiden Welten agieren.“ Seine Ehefrau stärkte ihn in dem Entschluss, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen, obwohl sich gerade das zweite Kind angekündigt hatte. „Mein erster Kunde war dann ein großer Pharmakonzern aus der Schweiz“, erinnert sich Wiens noch gut an die wöchentliche Pendelei. Die Neukunden-Akquise habe sich während der Pandemie als schwierig gestaltet, denn in dieser Branche seien Messen und Kongresse die optimalen Orte, um Kontakte zu knüpfen. Doch Maximilian Wiens ist es mit seinem innovativen, zukunftsorientierten Dienstleistungsangebot rund um Service, Beratung und inzwischen auch mit eigenen Produkten gelungen, „Synefex“ nicht nur am europäischen, sondern auch am amerikanischen Markt zu positionieren. Drei Mitarbeiter und zwei Freelancer gehören inzwischen zum Team. Doch der inzwischen dreifache Papa bleibt bodenständig und hebt lediglich in seiner Freizeit als Auszubildender zum Motorflieger ab.

   

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