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Titelthema

Alles Müll, oder was?

G.Rümpel. Hinter einem kreativen Namen stecken zwei kreative Köpfe. Benjamin Schoder und Christian Brokmann haben sich als Quereinsteiger vor eineinhalb Jahren in das Abenteuer rund um Haushaltsauflösungen, Entrümpelungen und Entsorgungen gestürzt.

„Hallo? Können Sie meine Wohnung ausräumen? Ich gehe ins Altersheim“, meldet sich die Stimme eines älteren Herrn am Telefon. Christian Brokmann muss lächeln. Ebenso souverän wie empathisch stimmt er mit dem Neukunden die Details ab, denn freundliche Beratung, die kann der 42-Jährige aus dem Effeff. „Ich habe über 18 Jahre ein Reisebüro in Bad Salzuflen betrieben“, nennt Brokmann lachend eine seiner Referenzen. Auf der Suche nach neuen Herausforderungen sei Corona nur noch das Zünglein an der Waage gewesen, um eine Veränderung zu wagen. Und hier kommt sein Schwager Benjamin Schoder ins Spiel, ebenfalls nicht abgeneigt, seinen Job als Fachkraft bei der Lebenshilfe gegen etwas ganz anderes einzutauschen. „Ein Freund von mir hat Haushaltsauflösungen durchgeführt, bis er bei einem Unfall ums Leben kam“, berichtet der Lemgoer. Dort habe er ab und an ausgeholfen. Nach und nach sei die spontane Idee zur Übernahme gereift. Sechs Mitarbeiter waren da, der Markt war da und deshalb stand unser Entschluss schnell fest: Wir machen Haushaltsauflösungen!“
Die Jung-Unternehmer geben zu, anfangs relativ planlos an die Sache herangegangen zu sein. „Vor unserem ersten Besichtigungstermin waren wir richtig aufgeregt“, verrät Brokmann. „Es musste ein Haus geräumt werden, das zu einem Tatort geworden war.“ Details erfährt man von den beiden nicht. Diskretion und Pietät stehen ganz oben auf ihrer Liste. Denn hinter fast jedem Auftrag stecke ein menschliches Schicksal. „Deshalb sprechen wir auch nie von Müll, sondern von Nachlässen“, betont Brokmann, der sich gut in der Rolle als Kümmerer vor Ort wiederfindet und bei Bedarf während der Räumung Angehörige mit Gesprächen ablenkt. „Wir verlassen die Objekte immer besenrein, denn es tut weh, die leeren Räume eines geliebten Menschen fegen zu müssen“, ergänzt sein Schwager den Rundumservice, der den Kund:innen eine Last abnimmt. „Unsere erfahrenen Mitarbeiter haben uns den Start enorm erleichtert“, schickt Schoder ein großes Lob an das Team, welches nicht nur für private, sondern auch für gewerbliche Immobilien im Einsatz ist. Die Zeichen bei „G. Rümpel“ stehen auf Expansion, die Dienstleister sprühen nur so vor Ideen. „Auch wenn der größere Teil auf Deponien wandert, finden sich auch einige weiterverwendbare Dinge und immer mal wieder Schätzchen“, setzen sie auf Netzwerke, um Expertisen zu erhalten. Auch zahlreiche Kooperationen bestehen bereits, ob mit Rechtsanwälten, Bestattern oder mit Kommunen, die Flüchtlingsunterkünfte mit gut erhaltenen Möbeln einrichten lassen. „Wir planen, an einer Verschenk-Börse teilzunehmen. Kleidung spenden wir schon jetzt an die Lebenshilfe“, übernehmen der Unternehmer soziale Verantwortung.

   

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