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Trübe Geschäftslage, aber Licht am Horizont…

Die wirtschaftliche Lage hat sich in vielen lippischen Unternehmen verschlechtert. Hauptursachen sind die schwache Inlandsnachfrage, andauernde Krisen in der Ukraine und in Nahost sowie allgemein schlechte Rahmenbedingungen. Die Talsohle scheint aber erreicht, denn die meis­ten Branchen bewerten ihre Geschäfts­erwartungen positiver. Ein Grund ist die rückläufige Inflation. Sie ist im April auf 2,2 Pro­zentpunkte gesunken. Die Unternehmen rechnen mit Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank (EZB). Kredite werden günstiger, die Investitionsbereitschaft steigt. Zudem wird erwartet, dass die Lohnsteigerungen der vergangenen Monate den privaten Konsum ankurbeln.Der Konjunkturklimaindikator der IHK Lippe visualisiert das Ergebnis der Salden der Geschäftslagen und -erwartungen der Unternehmen. Dabei signalisieren 100 Punkte aus technischer Sicht eine ausgeglichene Stimmung. An der Konjunkturumfrage im April haben sich 167 Unternehmen beteiligt. Das Ergebnis: Die positiven Geschäftserwartungen heben die Stimmung. Der Index steigt von 83 auf 95 Punkte.

Branchenübergreifend beurteilt 26 Prozent der Antwortenden die Geschäftslage mit „gut“ (-4 Prozent gegenüber Herbst 2023). Der Anteil der Unzufriedenen verändert sich mit 31 Pro­zent kaum (+1 Prozent). Für 43 Prozent der Unternehmen ist die Lage „befriedigend“ (+3 Prozent). Belastungsfaktoren für alle Branchen sind die hohen Kosten für Rohstoffe und Waren, Personal sowie Energie. Die Wirtschaft leidet zudem unter der schwächelnden Binnennachfrage.

Die lippische Industrie ist sehr unzufrieden mit den laufenden Geschäften. Nur noch 12 Prozent der Unternehmen vergibt eine „gute“ Konjunkturnote (-2 Prozent gegenüber Herbst 2023). Fast die Hälfte bezeichnet die momentane Geschäftslage als „schlecht“ (+9 Prozent). Rund 43 Prozent bewertet die Lage als „befriedigend“ (-1 Prozent). Der Branche macht der schwache Auftragseingang schwer zu schaffen. Hohe Energiekosten schmälern zudem die Gewinne.

Im Handel ist das Kaufverhalten der Verbraucher:innen zurückhaltend, hat sich zuletzt aber verbessert. Insgesamt zeigt sich der Handel zufriedener. 20 von 100 Händler:innen vergeben eine „gute“ Konjunkturnote (+5 Prozent gegenüber Herbst 2023). Für gut die Hälfte ist die aktuelle Situation „befriedigend“ (+2 Prozent). Für 28 Prozent verläuft das Geschäft momentan eher „schlecht“ (-7 Prozent).
Der Dienstleistungssektor beurteilt die Lage zum vierten Mal in Folge schlechter. Jede dritte Rückmeldung entfällt auf eine „gute“ Geschäftslage. Auch die Dienstleistungsbranche spürt die Zurückhaltung der Kund:innen. Eine „schlechte“ Geschäftslage zeigt entsprechend 23 Prozent der Unternehmen an.

Die lippische Gastronomie leidet seit Jahresbeginn unter der Erhöhung der Umsatzsteuer. 
Insgesamt verschlechtert sich die Geschäftslage im Gast­gewerbe deutlich. Nur noch ein Fünftel bewertet die aktuelle Lage mit „gut“. Eine „schlechte“ Konjunkturnote vergeben indes 20 Prozent. 
Die größten Herausforderungen der lippischen Wirtschaft liegen branchenübergreifend im gesunkenen Inlandsabsatz (74 Prozent, +11 Prozent gegenüber Herbst 2023), den hohen Energie- und Rohstoffpreisen (58 Prozent, -6 Prozent), den wirtschafts­politischen Rahmenbedingungen (58 Prozent, +6 Prozent), den hohen Arbeitskosten (56 Prozent, +2 Prozent), dem Fachkräftemangel (49 Prozent, +8 Prozent) sowie im sinkenden Auslandsabsatz (31 Prozent, +3 Prozent).

Für die nächsten 12 Monate erwarten 22 Prozent, dass die Umsätze steigen. Im Herbst waren dies nur 14 Prozent. 
Andererseits gehen branchenübergreifend noch 34 Prozent der Antwor­tenden von einem Rückgang der Umsätze aus (Herbst: 42 Prozent). 

Für 69 Prozent der Unternehmen ist die Finanzlage unproblematisch. Branchenübergreifend kämpfen jedoch 22 Prozent mit einem Eigenkapitalrückgang. 

Hauptmotiv für Investitionen bleibt der Ersatzbedarf mit 69 Prozent, gefolgt von 40 Prozent im Bereich Rationalisie­rungsmaßnahmen und einem Drittel, das in Produktinno­vationen investiert. Wieder ein Viertel anstelle von einem Fünftel will die Kapazi­täten ausweiten. Nur noch 16 Prozent investieren in Umweltschutz.

Gut 10 Prozent der Unternehmen in Lippe wollen Personal aufbauen. Bei dem Großteil der Antwortenden soll die Zahl der Mitarbeiten­den in den nächsten Monaten gleich­bleiben. 22 Prozent werden vermutlich Personal reduzieren.

Branchenübergreifend erwarten 15 Prozent der Betriebe, dass sich die Geschäftslage in den nächsten Monaten verbessern wird. Positiv: Der Anteil der 
Unternehmen, die befürchten, dass sich die Geschäftsaus­sichten eintrüben, hat von 41 Prozent auf knapp 20 Prozent stark abgenommen.

   

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