Lippe Wissen und Wirtschaft, Ausgabe 04 / August 2026DruckenZurück
Von Generation zu Generation, von Idee zu Idee: Sechs gastronomische Betriebe erzählen ihre Geschichte.
Wo der Hahn im Biergarten Chef ist – und das Schnitzel eine Religion.
Es gibt Orte, an denen die Zeit nicht stehengeblieben ist, sondern sich einfach genau so eingerichtet hat, wie es perfekt ist. Der „Bauerkamp“ in der Gemeinde Schlangen ist so ein Ort. Ein geografischer Knotenpunkt mitten in der Natur, ein beliebter Ausflugsort und vor allem: ein Zuhause auf Zeit für absolut jeden.
Wer die gemütliche Bauernstube betritt, spürt sofort den unverfälschten Gaststättencharakter sowie den Hauch von Nostalgie. An den Wänden hängen Stammtisch-Sprüche, die dem Raum seine Seele geben. Hier treffen sich die unterschiedlichsten Menschen. Der Bauer, der gerade direkt vom Feld kommt, sitzt am Nachbartisch des Geschäftsmannes, der frisch aus einem wichtigen Meeting angereist ist. Beim frisch gezapften Bier an der Theke gibt es keine Standesunterschiede. Hier wird gemeinsam gelacht und geredet. „Das darfst du nie ändern!“, hört Ansgar Bauerkämper immer wieder von seinen treuen Gästen. Das hat der 39-Jährige auch nicht vor. Als Ende 2022 sein Vater Cord verstarb, übernahm Ansgar Bauerkämper das Zepter. Den Chef lasse er dabei aber nie raushängen, wie der zweifache Vater verrät. „Man muss gut mit seinen Leuten umgehen“, lautet sein Motto, welches die drei festen Angestellten sowie die 18 Minijobber zu schätzen wissen.
Obwohl sich hier jeden Tag zahlreiche Stammtische und Thekengäste die Klinke in die Hand geben, ist das À-la-carte-Geschäft das eigentliche Fundament des Erfolgs. Der zum Restaurant umfunktionierte Saal mit der großen Terrasse bietet einen atemberaubenden Weitblick über die Landschaft. Wer hier samstags oder sonntags zum Mittags- und Abendtisch einkehren möchte, sollte frühzeitig reservieren, denn die Tische sind in der Regel restlos ausgebucht. Wenn es hoch her geht, kann sich Bauerkämper auch immer auf die Unterstützung seiner Familie verlassen. Der gelernte Koch setzt auf ehrliches Handwerk: Alles ist hausgemacht. Berühmt ist die Küche vor allem für ihre saftigen Rumpsteaks und die legendären Schnitzel. Weil der Ruf der Schnitzel mittlerweile epische Ausmaße angenommen hat, bietet der Gastwirt ab mittwochs nachmittags neben Kaffee, Kuchen und Schnittchen sogar eine extra kleine Schnitzel-Karte an, bevor ab 17:30 Uhr aus der „großen“ Hauptkarte gewählt werden kann.
Das absolute Highlight in den warmen Monaten ist der urige Biergarten inmitten der Schatten spendenden, hohen Bäume. Klaus, ein stolzer Hahn, flaniert hier zusammen mit seinen acht Hühnern völlig tiefenentspannt und nach Lust und Laune zwischen Tischen und Stühlen umher. Die Anziehungskraft des Bauerkamps bricht seit Generationen nicht ab. Das gilt auch für den angrenzenden Campingplatz. 25 der 30 Parzellen werden ganzjährig von Dauercampern genutzt, die aus ganz Deutschland anreisen, um die Ruhe und die bergige Landschaft zu genießen. „Es kommen auffällig viele Holländer ganz gezielt zu uns. Ich weiß gar nicht, wie sich das bei denen rumspricht. Vielleicht tauchen wir dort auf irgendeiner Internetseite für Ausflugstipps auf“, vermutet Ansgar Bauerkämper lachend.