Lippe Wissen und Wirtschaft, Ausgabe 05 / Oktober 2026DruckenZurück


Klima & Energie

Kosten werden zum Standortproblem

DIHK-Energiewendebarometer 2026

Viele Unternehmen sehen in der Energiewende weiterhin vor allem Belastungen. Die Einschätzung der Unternehmen zu den Auswirkungen der Energiewende auf die Wettbewerbsfähigkeit hat sich im Vergleich zum Vorjahr sogar weiter verschlechtert. Bundesweit ist der „Barometerwert“ von -8,3 auf -11,5 gefallen. In NRW fiel das Ergebnis noch pessimistischer aus: Hier sank der Wert von -14,8 im Vorjahr auf -18,1. Das geht aus dem aktuellen „Energiewende-Barometer 2026“ der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) hervor, an dem sich mehr als 3.000 Unternehmen beteiligt haben, davon 627 aus Nordrhein-Westfalen.

Die Auswirkungen der Energiewende auf die eigene Wettbewerbsfähigkeit werden von den Branchen sehr unterschiedlich empfunden. Der Barometerwert fällt in der Industrie regelmäßig vergleichsweise niedrig aus (Bund: -22,4, NRW: -29,8). Ähnlich schlechte Werte werden in diesem Jahr im Handel gemessen (Bund: -21,8, NRW: -18,8).

Energiekosten gestiegen

Bei jedem zweiten Unternehmen ist der Strompreis in diesem Jahr weiter gestiegen (49 Prozent). Daraus ergibt sich eine eindeutige Forderung: 77,8 Prozent der Unternehmerinnen und Unternehmer wünschen sich eine Senkung des Strompreises. Die Kosten für Wärme (Gas, Fernwärme, Heizöl) haben sich sogar auf zwei Drittel (67 Prozent) erhöht.

Verlagerungstendenz weiter steigend

Die Einschränkung wirtschaftlicher Aktivitäten in Deutschland aufgrund der energie- und klimapolitischen Rahmenbedingungen setzt sich fort und erreicht weiterhin besorgniserregend hohe Werte. Viele Unternehmen befinden sich nicht mehr in einer Prüf- oder Planungsphase, sondern setzen bereits konkrete Schritte um. Unter den großen Industrieunternehmen gibt etwa ein Drittel an, Verlagerungsmaßnahmen bereits zu realisieren. 

Konkrete Forderungen

Fast 80 Prozent der Befragten erwarten von der Bundesregierung eine weitere Absenkung von Steuern und Abgaben auf den Strompreis sowie eine klare Strategie zum Ausbau der Energieinfrastruktur. Mehr staatliche Investitionen in die erforderliche Infrastruktur für die Energiewende verlangen gut 70 Prozent der befragten Unternehmen.

Die Ergebnisse sind nach Einschätzung der IHK Lippe ein deutliches Warnsignal. Gemeinsam mit IHK NRW fordert die IHK Lippe einen konsequenten Kurswechsel in der Politik, damit die Energiewende gelingt, ohne den Unternehmensstandort Deutschland, Arbeitsplätze und Wohlstand weiter zu gefährden. Die Politik ist angehalten, gemeinsam mit der Wirtschaft tragfähige Lösungen zu entwickeln, um die Zukunftsfähigkeit des Standorts Deutschland zu sichern.