Lippe Wissen und Wirtschaft, Ausgabe 05 / Oktober 2026DruckenZurück
Quo Vadis?
Zukunft braucht Erreichbarkeit
Mobilität hat viele Facetten. Sie verbindet Menschen mit ihrem Arbeitsplatz, Unternehmen mit ihren Kunden und unsere Region mit den nationalen wie internationalen Märkten. Mobilität ist damit mehr als ein Verkehrsthema. Sie entscheidet über Wettbewerbsfähigkeit, Fachkräftesicherung und die Zukunftsfähigkeit unseres Wirtschaftsstandorts. Gleichzeitig stellen neue Technologien, steigende Anforderungen an Klimaschutz und Digitalisierung sowie veränderte Mobilitätsgewohnheiten Wirtschaft, Politik und Gesellschaft vor neue Aufgaben. Mit dieser Ausgabe richten wir den Blick auf die Fragen, wie Mobilität in Lippe künftig gestaltet werden kann und welche Weichen heute gestellt werden müssen, damit der Wirtschaftsstandort Lippe besser erreichbar wird und nicht den Anschluss verliert.
Leistungsfähige Infrastruktur als Basis
Leistungsfähige Straßen, Schienen und Ladesäulen sowie intelligente Verkehrsleittechnik bilden das Fundament für funktionierende Warenströme und zuverlässige Arbeitswege. Wir alle erleben beinahe täglich, dass dieses Fundament Risse zeigt: Marode Brücken, langwierige Baustellen, überlastete Verkehrswege und unzuverlässige Bahnverbindungen kosten Nerven, bares Geld und wertvolle Zeit.
Gleichzeitig zeichnet die Menschen in Lippe ein besonderer Gestaltungswille aus. Probleme werden nicht nur beklagt, sondern angegangen. Genau diesen Gestaltungswillen wollen wir in der Ausgabe sichtbar machen. Schon heute bestehen in Lippe zahlreiche Projekte und Initiativen, die zeigen, wie die Mobilität von morgen aussehen kann.
Politische Initiative
Als Industrie- und Handelskammer bringen wir die Perspektive der Wirtschaft regelmäßig in politische Entscheidungsprozesse ein. So haben wir zuletzt in unserem „Leitfaden Verkehr“ mehr Tempo für den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur und die Umsetzung wichtiger Vorhaben gefordert.
Am 17. November laden wir gemeinsam mit den sieben IHKs in Westfalen zur „Zukunftskonferenz Infrastruktur Westfalen-Lippe“ nach Hamm ein. Dort diskutieren wir mit Vertreter:innen aus Wirtschaft, Landes- und Bundespolitik über den notwendigen Ausbau der Verkehrsinfrastruktur und die Anforderungen eines modernen Wirtschaftsstandorts. Das ist gerade für Lippe von besonderer Bedeutung. Als ländlich geprägter Wirtschaftsraum spielt die Straße als Transportmedium weiterhin die wichtigste Rolle. Auf der Zukunftskonferenz in Hamm werden wir uns beispielsweise für den Neu- und Ausbau der B239 von der A2 bis hinter Lage sowie für die Nordumgehung Lemgo (B238) einsetzen. Wo die Infrastruktur wieder fit gemacht werden muss, werden Baustellen den Verkehr vorübergehend behindern. Umso wichtiger ist, dass die notwendigen Baustellen wirtschaftsverträglich geplant, koordiniert und effizient umgesetzt werden.
Elektromobilität im Güterkraftverkehr
Die Herausforderungen der Mobilitätswende zeigen sich besonders deutlich im Güterverkehr. Steigende Anforderungen an Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit verlangen nach neuen Lösungen, die sich im betrieblichen Alltag bewähren müssen und langfristig wirtschaftlich tragfähig sind. Die Spedition Bobe aus Bad Salzuflen berichtet aus erster Hand von ihren Erfahrungen beim Einsatz von E-LKW und Wünschen an die Politik.
Standortfaktor Schiene
Ob die Mobilität in Lippe funktioniert, entscheidet sich nicht nur auf der Straße. Auch der Schienenpersonenverkehr muss deutlich leistungsfähiger werden. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie belastend wiederholte Verspätungen, Ausfälle sowie unzuverlässiger Schienenersatzverkehr für Ein- und Auspendler sind und sich damit negativ auf die Attraktivität des Standorts auswirken. Der Umbau des Stellwerks in Lage oder langfristig auch das geplante S-Bahn-Konzept für OWL können die Schienenanbindung der Region deutlich verbessern.
Betriebliches Mobilitätsmanagement
Von einer guten Straßen- und Schienenanbindung profitieren auch die lippischen Unternehmen. Denn der tägliche Weg zur Arbeit wird angesichts des Fachkräftemangels zunehmend zum Wettbewerbsfaktor. Betriebliche Mobilitätskonzepte können dabei helfen, die Erreichbarkeit von Unternehmen zu verbessern, Kosten zu senken und die Arbeitgeberattraktivität zu steigern. Unterstützung bietet das IHK-Netzwerkbüro Betriebliche Mobilität NRW, das Unternehmen bei der Entwicklung passender Lösungen begleitet.
Mobilität als Innovationsmotor
Die Antworten auf die Mobilitätsfragen von morgen entstehen dort, wo Wirtschaft, Wissenschaft und Politik gemeinsam an Innovationen arbeiten. Mit dem Mobilitätszentrum UrbanLand an der TH OWL entwickelt sich in Ostwestfalen-Lippe ein wichtiger Ort für Technologietransfer und Kooperation. Hier werden neue Mobilitätslösungen gemeinsam mit Unternehmen erprobt und in die Praxis überführt. Projekte wie das Monocab oder KI-optimierte Verkehrssysteme zeigen, welches Potenzial in autonomen und digitalen Mobilitätslösungen steckt. Sie machen deutlich, dass neue Technologien nicht nur für Großstädte relevant sind, sondern gerade auch die Mobilität im ländlichen Raum nachhaltig verbessern können.
Auf dem Weg
Bereits heute zeichnet sich ab, dass die Mobilität der Zukunft vielfältiger, digitaler und klimafreundlicher sein wird. In Lippe ist bereits vieles in Bewegung. Die Voraussetzung für eine zukunftsfähige Mobilität bleibt jedoch eine verlässliche Infrastruktur. Nur wenn Straßen, Schienen, Ladeinfrastruktur und digitale Netze leistungsfähig sind, können neue Mobilitätslösungen ihr Potenzial voll entfalten.